Viele, die zu mir kommen, warten auf ein MPU-Schreiben und bekommen stattdessen einen Entziehungsbescheid. Das irritiert, ist bei harten Drogen aber der Normalfall: Hier wird die Eignung oft nicht erst begutachtet, sondern gleich verneint. Wer das weiß, erspart sich Wochen falscher Vorbereitung.
Einmal reicht: Was bei harten Drogen anders ist als bei Cannabis
Bei Cannabis kommt es auf Häufigkeit, Trennung von Konsum und Fahren und die Höhe des THC-Werts an. Bei sogenannten harten Drogen wie Amphetamin, Kokain oder Metamphetamin gilt eine deutlich strengere Regel: Nach Nr. 9.1 der Anlage 4 zur Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) entfällt die Fahreignung bereits bei einmaligem Konsum.
Die Rechtsprechung betont dabei, dass es nicht darauf ankommt, wie oft konsumiert wurde, wie hoch die Konzentration war, ob man am Straßenverkehr teilgenommen hat oder ob Ausfallerscheinungen aufgetreten sind. Die Frage lautet also nicht „war es schlimm?“, sondern „war es überhaupt?“. Genau deshalb fühlt sich der Bescheid für viele so hart an, vor allem nach einem einzigen Wochenende.
Warum oft keine MPU angeordnet wird
Das überrascht viele: Steht die Nichteignung schon fest, darf die Behörde nach § 11 Abs. 7 FeV gar kein Gutachten mehr verlangen. Die Fahrerlaubnis ist dann nach § 3 Abs. 1 StVG und § 46 Abs. 1 FeV zu entziehen. Ein Ermessen hat die Behörde dabei nach der Rechtsprechung nicht.
In der Praxis heißt das für dich:
- Die MPU kommt bei harten Drogen häufig nicht vor, sondern erst nach der Entziehung, nämlich wenn du die Fahrerlaubnis neu beantragen willst.
- Ein Widerspruch oder eine Klage hat nur Aussicht, wenn besondere Umstände vorliegen, die du darlegen und nachweisen müsstest. Das sind enge Ausnahmen, keine Faustregel.
- Ob das in deinem Fall zutrifft, klärt im Zweifel ein Fachanwalt für Verkehrsrecht. Ich kann das nicht beurteilen und ersetze keine Rechtsberatung.
Zuständig sind die Fahrerlaubnisbehörden vor Ort, etwa in Frankfurt, Darmstadt, Offenbach, Mainz oder Wiesbaden. Die Rechtslage ist dieselbe, die Abläufe im Amt können sich im Detail unterscheiden.
Was für die Wiedererteilung zählt
Nach Nr. 9.5 der Anlage 4 zur FeV kann die Eignung nach Konsum harter Drogen regelmäßig erst nach einem Jahr nachgewiesener Abstinenz wieder bejaht werden. Dazu kommt ein tiefgreifender, stabiler Einstellungswandel, den die Gerichte ausdrücklich verlangen.
Zwei Punkte werden häufig falsch verstanden:
- Ein Abstinenzprogramm oder ein Vorbereitungskurs stellt die Eignung nicht sofort wieder her. Die Zeit läuft nur, wenn die Abstinenz belegt ist.
- Die Frist ist eine Mindestdauer, kein Anspruch. Wer nach zwölf Monaten Abstinenz kommt, aber nicht erklären kann, wie es zum Konsum kam und was sich verändert hat, besteht die Begutachtung trotzdem nicht.
Wie Urin- und Haaranalysen als Nachweis funktionieren, habe ich in meinem Ratgeber zum Abstinenznachweis beschrieben. Ratgeber: Abstinenznachweis für die MPU
Wichtig ist: Die Kontrollen müssen von Beginn an nachvollziehbar dokumentiert sein, sonst zählen sie unter Umständen nicht.
Was du jetzt sinnvoll tun kannst
Du musst nicht bis zur Wiedererteilung warten, um anzufangen. Sinnvoll ist eine ehrliche Aufarbeitung, bevor es ein Gutachten gibt:
- Den Konsum nachvollziehbar erklären können: Anlass, Verlauf, Umfeld, warum es dazu kam.
- Die Abstinenz von Anfang an belegen, statt später nachträglich zu behaupten.
- Veränderungen im Alltag benennen, die das Rückfallrisiko tatsächlich senken.
- Den Entziehungsbescheid und alle Fristen prüfen, bevor etwas unterschrieben oder bezahlt wird.
Ein Beispiel aus meiner Beratung: Wer nach dem Bescheid zunächst nur Anwälte und Fristen sortiert, aber nicht über den Konsum nachdenkt, steht zwölf Monate später mit sauberen Nachweisen da und kann trotzdem nicht erklären, was damals los war. Beides gehört zusammen, und beides lässt sich parallel angehen.
Nach der Rechtsprechung bleibt ein Vorbereitungskurs für ein späteres Wiedererteilungsverfahren verwertbar. Die Zeit ist also nicht verloren, wenn die Entziehung bestehen bleibt.
Häufige Fragen
Fazit
Bei harten Drogen entscheidet in der Regel nicht die MPU über den Führerschein, sondern die Entziehung davor. Die eigentliche Arbeit beginnt danach: ein Jahr belegte Abstinenz und ein Wandel, den du in eigenen Worten erklären kannst. Wer das früh angeht, hat im Wiedererteilungsverfahren deutlich weniger Druck.
Häufige Fragen zur Ratenzahlung
Die MPU-Vorbereitung lässt sich bei myMPUonline in zwei Raten bezahlen. Die wichtigsten Fragen dazu kurz beantwortet:
Mehr zu Ablauf, Kosten und Terminen in der Region: MPU-Vorbereitung Darmstadt


